über Dieter Neikes

Neikes studiert nach seiner Ausbildung zum Bauzeichner Architektur und künstlerische Fotografie in Aachen und Berlin. Er beginnt nach Tätigkeiten in renommierten internationalen Architekturbüros seine selbstständige Laufbahn mit der Gründung der Architektur Neikes in Aachen. Neben seiner bis heute freien Architektentätigkeit unterrichtete er an der Fachhochschule in Aachen am Lehrstuhl Entwerfen und Baukonstruktion, für den Müller Verlag Köln schrieb er gemeinsam mit Prof. Schmitz Texte zum Thema Modernisierungen und auch gutachterliche Tätigkeiten gehörten zu seinem Leistungsspektrum. Bebauungspläne mit integrierten Grünordnungsplänen wurden für verschieden Städte entwickelt. Für die EXPO 2000 war er Berater für das Public Design, er realisierte das EXPO-Außenprojekt in Bad Pyrmont und Vortragsreisen führten ihn in viele Länder. Beim internationalen Wettbewerb um den deutschen Pavillon mit 1350 Teilnehmern war er in der Endrunde der letzten 25 und beim internationalen Wettbewerb für die EXPO Plaza belegte er den 3.Platz. Mehrere Wettbewerbserfolge begleiteten seinen Werdegang.

Ab dem Jahr 2000 konzentriert sich Neikes voll auf seine Architekturen. Hierbei betrachtet er alle Herausforderungen ganzheitlich. Innenarchitektur, Möbeldesign, das Licht und die Außenraumgestaltung werden im Kontext zur Architektur in internationalen Teams nach seinem Masterdesign entwickelt und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Regine Ebeling - ARCASA GmbH – im In- und Ausland realisiert. Dies sind bis zum Jahr 2015 über 400 realisierte Bauvorhaben. Regine Ebeling zeichnet hierbei u.a. für die Architekturkommunikation.

Neikes kreatives Leben und Arbeiten findet in Berlin und auf den kanarischen Inseln statt. Er hat zwei erwachsene Töchter.


Textauszug von Paul Maenz über Dieter Neikes:

Das schöne Maß der Dinge – der Architekt Dieter Neikes

Die Fotos zeigen eine Vielzahl realisierter Projekte. Zugleich aber spiegeln sie auch das Ideal und die mentale Struktur einer bestimmten Bauauffassung. Unübersehbar ist es die Handschrift eines Zeitgenossen, dessen gestalterisches Plädoyer auf jener feinen Linien balanciert, die den Avangardisten vom Klassizisten trennt und zugleich mit ihm verbindet. Was uns vor dem Hintergrund einer großen Tradition vor Augen tritt, ist praktizierte Baukunst als Sprache unserer Zeit.

In Frankreich würde man Dieter Neikes einen »créateur/realisateur« nennen, dessen Sicherheit in der Umsetzung sich solider Erfahrung verdankt. Ähnlich wie in der Natur eines Baumaterials quasi schon die Logik seiner Anwendung, sein sinnvoller Einsatz beschlossen liegt, erwachsen bei Neikes Form, Funktion und Erscheinung aus dem persönlichen Naturell, aus seiner ideellen Grundverfassung. Sie setzt auf die intuitive »Logik der Form« die – aller Ambivalenz zum Trotz – ein generelles Kennzeichen jeder künstlerischen Arbeit darstellt. Für das gestalterische Selbstbewusstsein ist sie wesentlich. Hier entspringt das Schöpferische, die Erscheinung: der Bau als neuer, so zuvor nicht dagewesener Körper.

Neikes´ Baukunst – damit untrennbar verbunden auch ein Werte- und Gesellschaftsbegriff – wurzelt ästhestisch in der Umbruchmoderne des frühen 20. Jahrhunderts. Aber es muß die Nähe des Architekten zur Praxis, zur jeweiligen Aufgabe, zum jeweiligen Bau und Bauherrn sein, die ihn davor schützt, sich in der Doppelgesichtigkeit und Dialekt der »Widerspruchsmaschine Moderne« zu verfangen, von der Georg Dietz spricht:

»Die Moderne zeigt die Welt, wie sie sein sollte, nicht wie sie ist: Das ist ihre Gefahr, das ist ihre Schönheit. Daß Schönheit nicht ohne Gefahr zu haben ist, das ist ihre Lehre. Daß die Schönheit im Menschen liegt, ist ihre Wahrheit.«

Die Anspielung meint die totalitäre Ausschließlichkeit politischer Ideologien ebenso wie das Credo künstlerischer Fortschrittsutopien. Denn unbestritten bleibt, dass das tragische, katastrophenreiche Erbe des 20. Jahrhunderts unsere dialektische Grundkondition nicht weniger bestimmt als der zwar beflügelnde, aber nicht weniger radikale Aufbruch jenes Jahrhundert in eine schnellere, »modernere« Zeit ...

Anwendbarer als der Begriff der Utopoie scheint bei Dieter Neikes denn auch der wesentlich zivilere Begriff der »Reflexiven Moderne« (Ulrich Schwarz). Eine solche, durch Zeit und Erfahrung modifizierte, gefilterte Moderne steht schließlich auch für die besondere Identität der deutschen Nachkriegsarchitektur. Eine Architektur, die am ehesten dort einleuchtet, wo man sie in einem größeren Zusammenhang mit der Erfahrung des 20. Jahrhunderts sieht: mit visionärem Aufbruch, entsetztem Erwachen und zukunftsorientiertem Neuanfang.

Während Neikes´ Bauten klar zu erkennen geben, wo ihre formalen Wurzeln liegen, nämlich in der ersten, der »Weißen Moderne« Europas, reflektieren sie ebenso die Zeit, die seine Generation ganz allgemein geprägt hat, also die Jahrzehnte seit dem 2. Weltkrieg.

Dagegen liegen die funktionalen Wurzeln seiner Bauten, d. h., das was sie im Heute funktionieren lässt, eindeutig in den ästhetischen Standards der Gegenwart. So gesehen beschreiben die Elemente, die das Bauen, die Architektur von Dieter Neikes ausmachen, im Entwurf und Praxis eben auch die Summe unserer historischen Erfahrung: die Utopie als Echo, die Wirklichkeit als Gegenüber und das Ideal als Movens einer zukunftsorientierten Arbeitsstrategie.

»Das schöne Maß der Dinge« als Motto und Leitmotiv der vorliegenden Dokumentation spielt auf dieses Movens an. Während wir allerdings das »Maß« prüfen und die »Dinge« mit Händen greifen können, entzieht sich die »Schönheit« auch hier, wie bei aller Kunst, dem rationalen Zugriff. Sie kann lediglich in Erscheinung treten, muß sich zeigen – wenngleich nur dem, der fähig und willens ist, sie zu erkennen.

- Paul Maenz

Paul Maenz: Nach Tätigkeit in der Werbung
in Frankfurt und New York 1970–90 Galerie
für die Kunst der internationalen Avantgarde
in Köln und Aufbau einer umfangreichen Privat-
sammlung zeitgenössischer Kunst; verschiedene
Veröffentlichungen zur Zeit- und Stilgeschichte;
lebt seit 1992 in Berlin.